Vila Joya

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Mai 2016

Wie in elysischen Gefilden

Die Vila Joya an der Südküste der Algarve

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Terrasse der Vila Joya: einer der schönsten gastronomischen Orte, die man finden kann.
© Vila Joya

Aufwachen, das Meer rauschen hören und auf der Terrasse frühstücken, rund dreißig Meter über der Brandung! Es ist fast unwirklich schön, ganz so, als sei man auf einer vorgeschobenen elysischen Insel im Atlantik, wo einst die geliebten Helden der griechischen Götter lebten, nunmehr umgeben von mediterranen wie exotischen Pflanzen: Palmen, Schirmpinien, Orangenbäumen, Agaven, Rosen, samtigen Rasenflächen. Auf der verhältnismäßig schmalen Terrasse reiht sich Tisch an Tisch, weiß eingedeckt, mit silberfarbenem Besteck und durch cremefarbene Schirme vor der Sonne geschützt. Hinreißend, diese klare Licht hier, als seien die Morgenstunden voller Unschuld.

An sich ist die Südküste der Algarve kein einsames Gebiet mehr. Gerade in Küstennähe ist die Region mittlerweile ziemlich zersiedelt. Dennoch sind Bettenburgen eher selten, man findet dagegen viele mittelgroße und kleinere Hotels und Apartmenthäuser, darunter außergewöhnliche Adressen, wo man wie eh und je die Vorzüge dieses Landstrichs genießen kann: warme, sommerliche Temperaturen schon im Frühling oder auch noch im Herbst, weite Sandstrände oder kleine felsige Buchten, gepflegte, blühende Gärten, erstklassige frische Fische und süßes Obst in den Restaurants, herzlichen Service: so wie in der Vila Joya, wo der Gast hoch über der Brandung frühstückt.

Hotel Vila Joya

Sandstrand an der Algarveküste, im Hintergrund die Vila Joya
© Vila Joya

Das Zentrum der Gegend ist Faro, wo es auch einen Flughafen gibt. Westlich davon liegt Albufeira, und danach gelangt man in den Ort Galé. Die Familie Jung aus München entdeckte dort in den Siebzigern das weitläufige Grundstück über dem Meer und ließ nach und nach die Vila Joya entstehen, zuerst privat genutzt, dann in den Achtzigern als kleines, exquisites Hotel eröffnet. Das zweigeschossige Gebäude zeigt Anklängen an den maurischen Stil: flache Rundbögen, ein paar flach gewölbte Räume im Innern, in den Bädern bunte Kacheln. Der Service erscheint in weißem Hemd und schwarzer Pluderhose mit Kummerbund. „Die Mama“, sagt die heutige Chefin Joy Jung, wollte von Anfang an, dass sich hier mehrere Kulturschichten überlappen, so wie es Portugal als Seefahrernation entspricht“. Oder wie es sich Mitteleuropäer hier erträumen.

Selbstverständlich spricht der Service teilweise deutsch, und Star in der Küche ist der gebürtige Österreicher Dieter Koschina. Durch ihn hat das Restaurant des Hauses längst internationale Beachtung gefunden. Er schwärmt von der Qualität der Fische, die ihm der Atlantik zur Verfügung stelle. Tatsächlich verbindet er mit glücklicher Hand einen puristischen Küchenstil mediterraner Prägung mit der Soßenkunst französisch-mitteleuropäischer Herkunft.

Selbst wer nicht in der Vila Joya übernachtet, sollte einmal zum Lunch dorthin gehen und auf der Terrasse Platz nehmen. Man muss sich allerdings mindestens einen Tag vorher anmelden. Und im Spätherbst findet jährlich ein Gourmetfestival im Hotel statt, zu dem auch Drei-Sterne-Köche aus Deutschland kommen, ebenso die jungen portugiesischen Küchendiven.

Man kann auch die ganz schlichte Fischküche erleben, indem man das Gartenparadies des Vila Joya nach Westen hin verlässt und unmittelbar am kilometerlangen feinen Sandstrand entlangwandert. Immer wieder erscheinen manierlich hergerichtete, verglaste Holzbaracken, in denen man einkehren kann, vorzüglich im Restaurant Os Salgados, wo frischer Fisch einfach auf den Grill gelegt wird. Oder man fährt ein Stück mit dem Auto und entdeckt, noch etwas weiter westlich, einen anderen Zauberort, an dem man glaubt, die Südküste der Algave sei noch ein einsames Gebiet. Das Restaurant Rei das Praias, wörtlich König des Strandes, liegt am Eingang einer idyllischen Felsenbucht und steht auf Holzpfeilern am Sandstrand. Näher kann man als Genießer dem Meer, seinem Licht, seiner würzigen Briese und dem Wellenrauschen nicht sein. Überaus köstlich und unverfälscht schmecken hier Krustentiere und Tintenfische. Einer der elysischen Orte.

Erwin Seitz

www.vilajoya.com; www.restaurantereidaspraias.com; empfehlenswert ist auch, in Nachbarschaft zur Vila Joya, das Hotel Vila Galé Praia, www.vilagale.com

Siehe auch:

Porträt: Dieter Koschina, Mai 2016

Meister der Saucen

Der 2-Sterne-Koch ist In Portugal eine Institution. Link